Willkommen zurück am Reißbrett! Wir schreiben Ende 2021, und die Art und Weise, wie wir SAP-Systeme bereitstellen, hat sich soeben drastisch verändert. Erinnert ihr euch an die endlosen Tage, an denen SAP-Basis-Administratoren stundenlang den Software Provisioning Manager (SWPM) durchklickten? Manuelle Mount-Points anlegen, Storage-LUNs zuweisen, Linux-Kernel-Parameter für die HANA anpassen und fehleranfällige Pacemaker-Cluster konfigurieren.
Diese Zeiten sind offiziell vorbei. Mit der finalen Reife des AWS Launch Wizards for SAP zieht das Konzept Infrastructure as Code (IaC) vollumfänglich in die SAP-Basis ein. Heute sezieren wir, wie AWS die Magie der vollautomatischen S/4HANA-Bereitstellung unter der Haube orchestriert.

Das Ende des manuellen SWPM
Der AWS Launch Wizard ist keine simple Klick-Strecke (Wizard), wie der Name suggeriert, sondern eine hochkomplexe Orchestrierungs-Engine. Der Architekt definiert im Vorfeld lediglich die Business-Anforderungen: "Ich brauche ein S/4HANA-System für 5.000 SAPS mit High Availability."
Der Wizard berechnet daraufhin das Sizing, empfiehlt die passenden EC2-Instanzen (gemäß SAP TDI-Zertifizierung) und kalkuliert die benötigten IOPS für den EBS-Storage. Doch die wahre Magie passiert nach dem Klick auf "Deploy".
Unter der Haube: CloudFormation und Systems Manager (SSM)
Was passiert architektonisch in der Cloud?
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AWS CloudFormation: Der Launch Wizard generiert on-the-fly hunderte Zeilen Code in Form von CloudFormation-Templates. Diese Templates bauen das Netzwerk auf: VPCs, Subnetze, Security Groups, und sie provisionieren die nackten EC2-Instanzen mit den exakt nach SAP-Vorgaben konfigurierten EBS-Volumes (z.B. gestripte Logical Volumes für
/hana/data). -
AWS Systems Manager (SSM): Sobald die Infrastruktur steht, übernimmt SSM. Es agiert als Agent auf den Betriebssystemen (SUSE oder RHEL). SSM führt Skripte aus, die automatisch die SAP-Software-Archive aus einem S3-Bucket herunterladen, entpacken und den SWPM im Silent Mode (unattended) anstoßen.
Die Meisterleistung: Automatisierte High Availability (HA)
Der größte Schmerzpunkt klassischer Basis-Admins ist das Setup eines HA-Clusters über mehrere Rechenzentren hinweg. Der Launch Wizard automatisiert dieses Architektur-Monster komplett:
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Er provisioniert die primäre Instanz in Availability Zone A und die sekundäre in AZ B.
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Er konfiguriert die HANA System Replication (HSR) synchron zwischen beiden Knoten.
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Er installiert die Cluster-Software (Pacemaker, Corosync) und konfiguriert den SAP HANA Scale-Up Ressource Agent.
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Er richtet das AWS Overlay-IP-Routing ein, sodass bei einem Failover die virtuelle IP in Sekundenbruchteilen auf das Netz-Interface der sekundären EC2-Instanz umgeschrieben wird.
Was früher ein Consulting-Projekt von zwei Wochen war, passiert jetzt fehlerfrei in unter drei Stunden.
📢 SAP & AWS ARCHITEKTUR-NEWS-TICKER (Stand: November 2021) ━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━━ 🔹 Gigantisches Compute: AWS hat die neuen High Memory Instances mit 24 TB RAM offiziell von SAP zertifizieren lassen. Es sind die größten von SAP freigegebenen Bare-Metal-Maschinen in der Cloud. Sie laufen auf Intel Xeon Scalable (Cascade Lake) Prozessoren und richten sich an die weltweit größten S/4HANA-Monolithen. 🔹 SUSE Linux 15 SP3: Der Launch Wizard unterstützt ab sofort die neuesten SLES for SAP Applications Versionen, was die Cluster-Stabilität durch neue Corosync-Metriken massiv erhöht.
Fazit für Enterprise Architekten
Der AWS Launch Wizard for SAP ist ein massiver Disruptor. Er demokratisiert komplexes Architektur-Wissen. Für Basis-Admins bedeutet das: Die Kernkompetenz verlagert sich endgültig vom manuellen Tippen von Linux-Befehlen hin zum Verständnis von CloudFormation-Templates und SSM-Dokumenten. Wer im Jahr 2021 noch manuell LUNs mountet, verliert wertvolle Zeit, die er stattdessen in die Optimierung von Applikations-Performance und BTP-Integration stecken sollte.